Wir haben eine halbe Kuh gekauft!

Der Entschluss kam eigentlich relativ kurz nach dem ersten Besuch bei der BOA Farm. Während der Führung über seinen Betrieb, erwähnte Fred Zehetner im Kühlhaus, dass die monströse Hälfte einer Kuh, die von der Decke hing, einer Familie aus Salzburg gehörte. Einige Wochen und einige informative Telefonate später machten wir uns einen Termin für die Schlachtung einer alten Kuh aus.


Der Tag X

Zu viert machten wir uns an einem Montag früh morgens auf nach Wildendürnbach um einem für Wiener Städter noch nie dagewesenem Schauspiel beizuwohnen. Die Stimmung im Auto war bereits etwas angespannt, doch die positive Vorfreude auf eine seltene Gelegenheit überwog. Fred Zehetner erwartete uns bereits und so ging es nach einer kurzen Information über das ausgewählte Tier gleich richtig los.
Nachdem das Tier auf der Weide geschossen und ins Schlachthaus transportiert wurde, kümmerte sich ein Mitarbeiter der Familie Zehetner mit einer unglaublichen Sorgfalt und noch unglaublicherer Präzision um die Zerlegung des Tieres. Bei der Häutung des Schädels wurde dem ein oder anderen Gentleman schon etwas mulmig, letztendlich behielten aber alle die Fassung. Die komplette - sieben Jahre alte - Kuh wurde gehäutet, der Schädel abgetrennt und anschließend von Josef ausgenommen. Nach einer guten dreiviertel Stunde wurde die gesäuberte Kuh an Haken hochgezogen und mit einer Säge halbiert. Das Gewicht (ohne Schädel, Hufe, Innereien) belief sich auf stattliche 470kg, wovon 235kg auf den Gentlemen Steak Club entfielen.
Die Arbeit war getan, nach einer kleinen Stärkung wurden noch ein paar Kleinigkeiten in Form von Steaks gekauft und die Heimreise angetreten. Und dann begann das Warten...





Sieben lange Wochen später

Um auch wirklich ein noch außergewöhnlicheres Geschmackserlebnis dieser alten, mit einer wunderbaren Fettschicht umhüllten Kühe zu erreichen, lässt Fred diese Tierhälften mindestens sechs Wochen trocken in seinem Kühlhaus abhängen. Sieben Wochen nach der Schlachtung machten wir uns also erneut auf den Weg nach Wildendürnbach, um mit zwei Autos und vielen Kühlboxen bepackt unsere Beute abzuholen.
Als wir ankamen, war unsere Hälfte bereits fachmännisch geviertelt und nach einem kleinen Cafe und ein paar interessanten Gesprächen ging es auch schon an die Arbeit. Einige Stunden verbrachten wir in dem Schlachthaus, Fred zerteilte jedes Stück, verbrachte die meiste Zeit aber mit Erklärungen zu neugierigen Fragen. Jeder Schnitt, jede Handbewegung wurde von den Gentlemen begutäugelt, hin und wieder durfte Fett oder Faschiertes zerkleinert werden.
Standesgemäß versuchten wir, so viele Steak Cuts wie möglich aus dieser Hälfte zu ergattern, was uns mit Hüftsteaks, Tri-Tip, Tomahawk, T-Bone, Porterhouse, Hochrippe, Flat Iron, Flank auch gar nicht schlecht gelang. Der Rest des Tieres wurde in Bratenfleisch, Faschiertes, Kochfleisch, Knochen für Suppen sowie Fettwürfel aufgeteilt. Faschieren durften die Gentlemen selbst, auch das Verpacken bzw. Vakuumieren wurde von den ehrenwerten Herren übernommen.
Sechs große Boxen für sechs große Männer wurden prall gefüllt, zusätzlich wurden noch eine Gemeinschaftsbox mit großen Teilen bestückt, die den Weg in den Smoker wagen werden. Nach getaner Arbeit machten sich die fleißigen Jungs auf den Heimweg, um die Beute bei der Mai Steaknight zu verkosten. Vorab, das Warten hat sich gelohnt, das Fleisch war ein Gedicht.

Ein spezieller Dank geht nochmals an Fred Zehetner, der sich extrem viel Zeit und Geduld für uns genommen hat und an seine Jungs, die wir fast vom Thermen Besuch abgehalten haben ;)